Historismus Architektur

Während die einen behaupten, der Historismus wäre unoriginell, sagen andere wiederum, dass diese Form der Architektur viel nostalgischen Charme mit sich bringt. Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten. Aus diesem Grund möchten wir die Historismus Architektur neutral betrachten und Interessenten wichtige Informationen rund um das Thema geben. Es geht dabei um die verschiedenen Gedanken der Epoche und weshalb Liebhaber und Sammler heute immer noch davon fasziniert sind.

Inhalt der Seite

Kurz & Kompakt

  • Definition Historismus: Es handelt sich hierbei um den architektonischen Stil des 19. Jahrhunderts, welcher sich durch die Übernahme bzw. die Kombination mit verschiedenen anderen historischen Stilen auszeichnet.

  • Bekannte Bauwerke des Historismus: Hier sind stellvertretend zum Beispiel das Wiener Rathaus, der Berliner Dom, die Neue Synagoge in Berlin, die Nikolaikirche in Hamburg sowie die Ringstraßenbauten in Wien zu nennen.

  • Bekannte Architekten des Historismus: Besucher der Semperoper in Dresden werden sich an den Namen Gottfried Semper erinnern. Ebenfalls bekannt sind zum Beispiel Karl Friedrich Schinkel, Theopil Hansen, Charles Garnier und Heinrich Hübsch.

Definition und Merkmale des Historismus in der Architektur

Es handelt sich dabei um eine architektonische Epoche des 19. Jahrhundert. Diese zeichnet sich durch die Übernahme und die Kombination von verschiedenen historischen Baustilen aus.

  • Erläuterung der historistischen Bewegung und ihrer Einflüsse auf die Architektur des 19. Jahrhunderts: Als Reaktion auf den Klassizismus sowie die Neugotik entstand der Historismus. Die Epoche strebte dabei nicht nur eine archäologische Nachahmung von früheren Stilen an, sondern wollte eine eigene zeitgenössische Formensprache entwickeln. Zu den Einflüssen zählte der Stilpluralismus, bei dem Architekten aus einem breiten Repertoire historischer Stile wählen konnten und diese nach ihren Vorstellungen kombinierte. Dabei wurde der Historismus oftmals bei repräsentativen Gebäuden wie Museen, Kirchen, Rathäusern und Ähnlichem eingesetzt. Er sollte dabei nicht nur eine bestimmte Atmosphäre, sondern auch eine historische Bedeutung vermitteln.

  • Charakteristische Stilelemente und -epochen, die im Historismus wieder aufgegriffen wurden: Neben der Romanik und der Gotik waren die, die Renaissance, der Barock, das Rokoko, der Tudorstil und der Eklektizismus. All diese Stilelemente wurden in immer neuen Kombinationen verwendet. Auch heute sind diese noch an Bahnhöfen, Rathäusern, Schlössern, Burgen und an verschiedenen Wohngebäuden zu finden.  

Die verschiedenen Stile des Historismus

In der Architektur war der Historismus etwa von 1840 bis 1900 vorherrschend. Durch die Nachahmung und die Kombination von verschiedenen historischen Baustilen sollten neue und einzigartige Gebäude geschaffen werden. Zu den aufgegriffenen Hauptstilen gehörten die Neugotik, die Neo-Renaissance, der Neubarock sowie der Neoklassizismus. Weitere Stile waren der Maurische Stil und der Schweizerstil. Im Folgenden möchten wir auf einige Stile näher eingehen.

Gotik

Bei der Gotik handelte es sich um eine Kunst- und Architekturperiode aus dem Mittelalter, die sich in Europa bzw. in Frankreich etwa zwischen 1150 und 1500 entwickelte.

  • Erklärung der gotischen Architekturmerkmale: Die gotischen Architekturmerkmale wurden im Historismus aufgegriffen und in einer Reihe von neuen Varianten interpretiert. Im Mittelalter war die Gotik eine eigenständige Epoche mit besonderen religiösen und sozialen Hintergründen. Im Historismus dagegen diente sie als. Stilmittel, um Gebäude zu gestalten, damit diese eine romantische und nostalgische Anmut erzeugen.

  • Beschreibung von gotischen Elementen: Der Spitzbogen als charakteristisches Merkmal wurde sowohl in der Gotik als auch im Historismus für Fenster, Portale und Gewölbe genutzt. Im Historismus diente er als dekoratives Element, um so eine mittelalterliche Atmosphäre zu erzeugen. Fenster und Fassaden wurden durch filigrane Steinmetzarbeiten, dem sogenannten Maßwerk, verziert und als dekoratives Element eingesetzt. Als Zierelemente bekannt waren. Auch die Strebepfeiler und Strebebögen, um so die Verbindung zur gotischen Architektur zu betonen. Fialen und Wimperge wurden als zierliche und turmartige Aufsätze an Kirchenbauten genutzt, während das Rippengewölbe im Gegensatz zum Mittelalter als gestalterisches Element eingesetzt wurde. Ähnlich wie in der Gotik war die Vertikalität auch im Historismus ein wichtiges Merkmal, um Gebäude noch höher und imposanter aussehen zu lassen.

Romanik

Etwa vom 10. bis 13. Jahrhundert herrschte in Europa die Romanik, eine Kunst- und Bauepoche, vor. Bekannt wurde sie durch ihre massiven und oft düsteren Kirchen und Burgen mit dicken Mauern, Rundbögen und kleinen Fenstern.

  • Charakteristika der romanischen Architektur im Historismus: In dieser Epoche zeichnete sich die romanische Architektur durch die Nachahmung und Übernahme von romanischen Stilelementen aus. Diese Stilelemente wurden dabei oft mit modernen Materialien und Techniken kombiniert. Die Gestaltung der Fassaden und die dekorative Anlehnung an die romanische Bauform standen dabei im Vordergrund, während im Inneren der Bauwerke oft moderne Bauweisen verwendet wurden.

  • Merkmale der romanischen Architektur: Typisch für die Romanik im Historismus waren die halbkreisförmigen Bögen (Rundbögen), die bei Fenstern und Portalen sowie Arkaden verwendet wurden. Auch die massiven Mauern mit den kleinen Fensteröffnungen wurden imitiert, um so einen Eindruck von Schwere und Stabilität zu erzeugen. Als tragende Elemente oder zur Gliederung von Fassaden wurden die Säulen und Pfeiler mit Würfelkapitellen imitiert. Dabei wurden die Fassaden aufwendig gestaltet und mit romanisierenden Elementen wie Lisenen, Rundbogenfriese und Bogenstellungen verziert.

Renaissance

Die Renaissance umfasst einen Zeitraum von 1400 bis etwa 1520. Dieser Zeitraum unterteilt sich in Frührenaissance und später in Hochrenaissance, welche in den Manierismus übergeht.

  • Wiederbelebung der Renaissancearchitektur im 19. Jahrhundert: Diese Wiederbelebung ist auch als Eklektizismus oder als Renaissance-Revival bekannt und strebte eine Rückkehr zu den Formen und Prinzipien der italienischen Renaissance an. Es wurden dabei nicht nur einzelne Elemente wie Bögen, Säulen und Kuppeln aufgegriffen, sondern auch das Streben nach Harmonie, Proportion und Symmetrie. Großen Anklang fand das Renaissance-Revival in Deutschland. Dies ist heute noch erkennbar im öffentlichen Bauwesen und bei repräsentativen Gebäuden.

  • Beschreibung von typischen Elementen: In der Architektur zeichnet sich dieses durch die klassischen Säulenordnungen unter Verwendung von dorischen, ionischen und korinthischen Säulen aus. Auch Rundbögen und Kuppeln, wie sie bereits in der Antike verwendet wurden, wurden wieder aufgegriffen. Viele Villen und Paläste wurden in diesem Stil erbaut.

Barock und Rokoko

Diese beiden Kunst- und Architekturstile sind eng miteinander verbunden. Allerdings kann das Rokoko als eine leichtere und verspieltere Entwicklung des Barock betrachtet werden. Die Hochzeit des Barock war vom 17. Jahrhundert bis Anfang des 18. Jahrhunderts. Der Rokoko schloss sich Mitte des 18. Jahrhunderts an und wird oft auch als Spätphase des Barock bezeichnet. Beide Stilepochen hatten ihre Besonderheiten.

  • Merkmale beider Architekturen im Historismus: Die Elemente der beiden Architekturen wurden oft kombiniert oder neu interpretiert, sodass sich der Historismus als eklektische Mischung von verschiedenen historischen Stilen zeigte. Der Barock fiel eher durch seine schweren, dynamischen Formen und üppigen Dekorationen auf, während der Rokoko sich durch spielerische Leichtigkeit, filigrane Ornamente sowie eine Vorliebe für asymmetrischen Formen auszeichnete.

  • Barock im Historismus: Typische Barockelemente wie etwa Säulenordnungen, geschwungene Fassaden, Kippeln und reiche Verzierungen wurden übernommen. Säulen oder Pilaster (Kolossalordnung) erstreckten sich über mehrere Geschosse und die barocken Elemente wurden im Sinne einer monumentalen und symmetrischen Bauweise verwendet. Zum Einsatz kamen schwere Materialien wie Natursteine und dunkle Farben, um so die Wirkung des Barocks zu verstärken.

  • Rokoko im Historismus: In die historischen Bauten wurden Muschelelemente, Blumenranken und verspielte Stuckaturen eingesetzt. Um Leichtigkeit in das Dekor zu bringen, wurden neben der Symmetrie auch sehr oft asymmetrische Elemente verwendet. Helle Pastellfarben und goldene Akzente sollten eine gewisse Eleganz und Verspieltheit erzeugen.

Historistische Bauwerke und ihre Bedeutung

Die Architekturströmung des 19. Jahrhunderts zeichnete sich durch die Nachahmung und Wiederbelebung von vergangenen Baustilen aus. Es wurden in der Historismus Architektur Elemente der verschiedenen Stilrichtungen kombiniert und in neuen Bauwerken eingesetzt. In Fachkreisen wird daher auch von Eklektizismus (Stilpluralität) gesprochen.

Wohnhäuser

  • Beschreibung historistischer Wohnarchitektur und ihrer typischen Merkmale: Bürgerliche Wohnbauen, die auch als Gründerzeitvillen oder Mietskasernen bezeichnet wurden, zeigten oftmals Fassaden der verschiedenen Stilrichtungen, während in den Innenbereichen moderne Materialien und Technologien sowie Baustile zum Einsatz kamen. Neben der bereits erwähnten Fassadendominanz wurde sehr oft auf Bauelemente wie Spitzbögen, Rundbogenportale, Erker, Türmchen und dergleichen zurückgegriffen und diese neu interpretiert. Trotz der  historischen Fassadengestaltung kamen im Inneren die modernen Materialien wie zum Beispiel Glas und Stahl zum Einsatz. So bot der Historismus den wohlhabenden Bürgern die Möglichkeit, ihren Reichtum nach außen in Form von besonderen Wohnhäusern zur Schau zu stellen. Dies ist auch der Grund, warum der Historismus in Deutschland oft mit der sogenannten Gründerzeit in Verbindung gebracht wird. Er sollte den wirtschaftlichen Aufschwung nach der Reichsgründung zeigen.

  • Beispiele für historische Wohnhäuser und ihre Bedeutung in der Baugeschichte: Bekannt aus jenen Tagen sind die Gründerzeitvillen. Es handelte sich meistens um frei stehende Wohngebäude mit repräsentativen Fassaden, in denen mehrere Wohneinheiten untergebracht waren. Diese wurden auch sehr oft als Mietskasernen bezeichnet. In städtischen Bereichen entstanden ebenfalls repräsentative Wohnhäuser, welche meist nur von einer Familie bewohnt wurden.

Öffentliche Gebäude

Auch hier war die Fassadengestaltung charakteristisch, da diese an Baustile wie Neugotik, Neorenaissance, Neobarock und Neoklassizismus erinnerten.

  • Vorstellung historistischer öffentlicher Bauwerke: Dazu zählten das Wiener Rathaus im Stil der Neugotik, das Reichstagsgebäude in Berlin mit seinen neobarocken Elementen, die ein Zeichen für die Neorenaissance sind. Ebenfalls zu nennen sind das Parlament in Wien, welches im griechischen Stil errichtet wurde, die Neue Synagoge in Berlin, welche verschiedene Stile vereint, das Bayerische Nationalmuseum in München sowie das Rote Rathaus in Berlin als weitere Beispiele für die Neorenaissance. Nicht zu vergessen sind der Berliner Dom, die Ringstraßenbauten in Wien, das Schweriner Schloss und die Nicolaikirche in Hamburg, Schloss Neuschwanstein, welches im Stil der Neuromanik erbaut wurde. Als architektonsiches Vorbild von Schloss Neuschwanstein galten eine Reihe von mittelalterlichen Ritterburgen vergangener Epochen.

  • Bedeutung dieser Gebäude für die lokale Architektur und Identität: Mit diesen Gebäuden wird eine Verbindung zur Baukunst vergangener Epochen hergestellt, welche die Geschichte und die Kultur einer Stadt oder einer Region in Deutschland widerspiegeln sollen. Gleichzeitig können sie das Selbstverständnis einer Gemeinschaft prägen und somit auch ein Gefühl von Kontinuität und Tradition vermitteln. So dienen die historischen Bauten als sichtbare Erinnerungsorte, welche an wichtige Ereignisse, Persönlichkeiten oder Traditionen anknüpfen sollen, um die Geschichte einer Stadt oder ein Region lebendig zu halten. Durch die Architekturhistorie kann das Selbstverständnis einer Stadt maßgeblich beeinflusst werden. Die Gebäude können ein Stadtbild prägen und städtebauliche Akzente setzen,  indem sie einen repräsentativen Platz, eine Straße oder ein Ensemble gestalten.

Architekten des Historismus

Zu den bekannten Architekten dieser Stilepoche zählen nicht nur der Engländer Thomas Cole und der deutsche Karl Friedrich Schinkel.

Bekannte Architekten der Historismus Architektur und ihre Werke:

  • Gottfried Semper – Er war einer der bedeutendsten Architekten des 19. Jahrhunderts. Bekannt wurde er für seine Beiträge zur Semperoper in Dresden und das Kunsthistorische Museum in Wien.

  • Heinrich Hübsch – Er war ein Verfechter der Neoromaik und entwarf unter anderem die Alte Ludwigskirche in Freiburg sowie den Westbau des Speyerer Doms.

  • Karl Friedrich Schinkel – Er galt als früher Vertreter des Historismus, war jedoch stark vom Klassizismus geprägt. Unter anderem entwarf er das neue Museum in Berlin.  

  • Theophil Hansen – Er war bekannt für seine neoklassizistischen Bauten wie etwa das griechische Parlament in Athen und das Parlamentsgebäude in Wien.

  • Ernst Friedrich Zwirner – Er ist der Baumeister des Kölner Doms und leitete dessen -wiederaufbau und die Fertigstellung im Stil der Neugotik.

  • Karl von Hasenauer – Mit Th. Hansen zusammen entwarf er das Neue Schloss Schönbrunn in Wien und gestaltete den Stephansplatz.

  • Charles Garnier – Er war ein berühmter französischer Architekt, der in erster Linie für die Opéra Garnier in Paris bekannt wurde.

  • Georges Eugène Baron Haussmann – Er war verantwortlich für die Umgestaltung von Paris im 19. Jahrhundert, welche stark von verschiedenen historischen Vorbildern beeinflusst wurde.

  • Paul Wallot – Er entwarf das Reichstagsgebäude in Berlin, welches Stile der Neorenaissance und des Neobarock vereint.

  • Karel Parík und Josip Vancas – Sie entwarfen zahlreiche Gebäude im historischen Stil in Bosnien und Herzegowina, im Besonderen nach dem Stadtbrand von Sarajewo.

Restaurierung und Erhalt historistischer Bauten

Es handelt sich hierbei um einen komplexen Prozess, der nicht nur die Einhaltung der historischen Bausubstanz, sondern auch die Berücksichtigung der historischen Bedeutung und den architektonischen Kontext umfasst. Ziel ist es, die Bauten wieder in ihren ursprünglichen Zustand zu versetzen bzw. ihren Verfall aufzuhalten und ihre Substanz zu sichern.

  • Bedeutung der Restaurierung historistischer Gebäude für die Bewahrung des kulturellen Erbes: Das Erhalten von historischen Gebäuden ist von großer Bedeutung. Grund hierfür ist, dass diese Gebäude einen wichtigen Beitrag zur Bewahrung unseres kulturellen Erbes leisten. So tragen sie nicht nur zur Identität und Geschichte einer Region bei, sondern können auch als wichtige Zeitzeugen der Vergangenheit betrachtet werden. Restaurierung und Erhaltung solcher Gebäude trägt dazu bei, dass auch zukünftige Generationen die Möglichkeit haben, diese Gebäude kennenzulernen und ihre Bedeutung zu verstehen.

  • Herausforderungen und Methoden bei der Restaurierung historistischer Architektur: Viele der historischen Gebäude sind Mischformen von verschiedenen Baustilen, was wiederum die Identifizierung sowie die Zuordnung der Bauelemente erschwert. Bei der Restaurierung der Gebäude wird deutlich, dass in ihrem Inneren oftmals moderne Materialien und Techniken verwendet wurden, was bei der Restaurierung berücksichtigt werden muss. Grundsätzlich ist es wichtig, das charakteristische Erscheinungsbild des Historismus zu erhalten, wobei in den meisten Fällen die Restaurierungen mit den Vorgaben des Denkmalschutzes abgestimmt werden müssen. Dies bringt eine Vielzahl von weiteren Herausforderungen mit sich.

  • Erfolgreiche Restaurierungsprojekte: Dazu zählen die Restaurierung der Sixtinischen Kapelle, welche über ein Jahrzehnt andauerte. Das Restaurieren von historischen Gebäuden und Denkmälern wie etwa dem Petersdom oder dem Kolosseum in Rom ist ein wichtiger Schritt zur Erhaltung des kulturellen Erbes. Als erfolgreiche Restaurierung einer historischen Struktur wird auch die Meiji-Restauration in Japan betrachtet. Ein weiteres Beispiel ist die Restaurierung der Prunksärge in der Fürstengruft des Merseburger Doms, welche als Konservierung von Kulturgut und Baukunst angesehen wird.

Historistische Dekorationselemente und Details

Die Historismus Architektur zeichnet sich durch die Übernahme sowie die Neuinterpretation von verschiedenen Stilelementen aus vergangenen Epochen aus. Die Stilelemente wurden sowohl in der Architektur als auch im Kunsthandwerk vielfältig eingesetzt.

  • Verzierungen und Ornamente im historistischen Baustil: Fassaden boten reiche Verzierungen, Gesimse, Säulenordnungen, Skulpturen, Reliefs und Stuckarbeiten sowie farbige Putzflächen. Die Innenräume dagegen wurden mit Stuckdecken, aufwendigen Wandverkleidungen, Schnitzereien an Möbeln und Türen aufgewertet.

  • Bedeutung von Verzierungen wie Säulen, Gesimse und Fensterrahmungen: Durch Säulen konnten Fassaden strukturiert werden, wobei diese sehr oft als Zierelemente dienten. Bei Gesimsen handelt es sich um horizontal vorspringende Bauteile, welche als Abschluss von Fassaden oder zur Gliederung von Wänden dienten. Fensterrahmungen sollten Fenster nicht nur einfassen, sondern die Fensterform betonen und die Fassade gliedern, was wiederum zu einem dekorativen Akzent führte. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass Säulen, Gesimse und Fensterrahmungen nicht nur funktional wichtig waren, sondern in erster Linie auch zur Gestaltung dienten und zum Ausdruck eines Gebäudes beitrugen. Sie sollten den architektonischen Stil betonen, die Fassade gliedern und ihr gleichzeitig ein individuelles Aussehen verleihen.

  • Typische Materialien und Handwerkskunst im historistischen Bauwesen: Neben Naturstein wie Granit, Sandstein und Marmor kamen auch Ziegelsteine zum Einsatz. Im 19. Jahrhundert wurden auch Gusseisen und Stahl als Baumaterialien immer wichtiger, denn sie ermöglichten den Bau von filigranen Strukturen wie zum Beispiel bei Brücken, Bahnhöfen und großen Hallen. In großen Mengen wurde auch Glas verwendet, um Fenster, Oberlichter und Ähnliches zu gestalten. Stuck wurde für aufwendige Verzierungen an Fassaden und in Innenräumen verwendet.

Historismus und moderne Architektur

Es handelt sich hierbei um zwei gegensätzliche Strömungen in der Geschichte der Architektur. Der Historismus von 1850 bis 1910 zeichnet sich durch die Rückbesinnung auf vergangene Baustile aus. Die Moderne dagegen entwickelte sich ab 1900 und brach mit dieser Tradition. Stattdessen wurden Funktionalität, Schlichtheit sowie der Einsatz von modernen Baumaterialien wie Stahl und Glas betont.

  • Einflüsse des Historismus auf die zeitgenössische Architektur: Die Einflüsse waren sowohl direkt als auch indirekt, denn viele der Prinzipien des Historismus sind auch in modernen Bauweisen wieder zu finden. Zu den direkten Einflüssen gehören der Neohistorismus, die Heimatschutzarchitektur und die Reformarchitektur. Unter die indirekten Einflüsse fallen die Auseinandersetzung mit der Geschichte, der Stilpluralismus sowie die Verknüpfung von Funktionalität und Ästhetik.

  • Beispiele für moderne Bauwerke, die historistische Elemente aufgreifen oder neu interpretieren: Ein sehr schönes Beispiel für die Neogotik ist die Votivkirche in Wien. Zahlreiche Rathäuser und öffentliche Gebäude wurden im 19. Jahrhundert im Stil der Neorenaissance gebaut, was auch viele Bauwerke in der heutigen Zeit zeigen.

Übergang vom Historismus zum Jugendstil

Im späten 19. Jahrhundert wandelte sich die Kunstbewegung, was sich besonders in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg bemerkbar machte. Künstler und Architekten, die zuvor historistische Stile übernommen hatten, suchten zunehmend nach neuen Ausdrucksformen. Die Secession in Wien, zu deren Gründungsmitgliedern auch Otto Wagner gehörte, stellte sich bewusst gegen die akademische Tradition. In dieser Zeit rückte die Zeitschrift „Ver Sacrum“ als Sprachrohr der Secession in den Fokus. Aufsehenerregende Jugendstilgebäude entlang der Straße wie das Wiener Sezessionsgebäude dokumentieren diesen Wandel.

Auch Künstler wie August Endell und Louis Majorelle prägten den aufkommenden Secessionsstil, der sich stark vom Historismus abgrenzte. Die Weltausstellung in Paris 1900 verstärkte die internationale Aufmerksamkeit für diese neue Kunstbewegung. In nur wenigen Jahren veränderte sich die gestalterische Sprache grundlegend – die Epoche der Jugend, symbolisiert durch Leichtigkeit und organische Formen, war angebrochen. Damit rückte der Historismus langsam in den Hintergrund.

Fazit: Die Bedeutung des Historismus für die Architekturgeschichte

In der Architekturgeschichte ist die Historismus Architektur eine Stilrichtung, welche sich durch die Bezugnahme und die Nachahmung vergangener Stile auszeichnet. Die sogenannte Stilpluralität, welche von der Neugotik über die Neurenaissance bis zum Neubarock reicht, war im 19. Jahrhundert weit verbreitet. Sie prägte so das Erscheinungsbild vieler Städte. Somit kann gesagt werden, dass der Historismus nicht nur eine architektonische Strömung, sondern vielmehr ein Spiegelbild der gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklung dieser Zeit war.

Der Klassizismus wurde vom Historismus abgelöst, was zu einer Vielfalt von verschiedenen Stilen führte. Auch wenn der Historismus sich an historischen Vorbildern orientiert, wurden sehr oft moderne Bautechniken und Baumaterialien wie Eisen und Glas verwendet.

Viele der großen Städte wurden nach dem Stil des Historismus umgestaltet, wobei unterschiedliche Baustile für die verschiedenen Bauwerke zum Einsatz kamen. Mit dem Historismus konnte das Bürgertum seinen neu gewonnenen Wohlstand durch den Bau von repräsentativen Bauten und dem besonderen Baustil ausdrücken.

In der Folge bereitete der Historismus den Weg für den Jugendstil, der sich komplett von den historischen Formen und dem Baustil abwandte und neue Gestaltungselemente hervorbrachte. Auch nach dem Ersten Weltkrieg blieb der Rückgriff auf historische Stilmittel wie die neoromanische Bauweise in einigen Regionen erhalten, was sich unter anderem in Bauwerken wie der Votivkirche zeigt – ein Ausdruck des gestalterischen Anspruchs, den besonders das wohlhabende Bürgertum durch monumentale Architektur vermitteln wollte.

FAQ zur Historismus Architektur

Es kennzeichnet den Stilpluralismus, bei dem auf eine Vielzahl von verschiedenen angesehenen Architekturformen der vergangenen Epochen zurückgegriffen wurde. Somit ist der Historismus nicht als direkt Antwort auf den Klassizismus zu verstehen, sondern vielmehr als ein Formenkanon der verschiedenen Stile.

Zu den markantesten Merkmalen zählen eine detaillierte Ornamentik, die Verwendung von modernen und traditionellen Baumaterialien, die eklektische Stilmischung sowie die Bedeutung von Fassaden.

Der aufkommende Jugendstil löste im Rahmen der Jahrhundertwende die historischen Stile immer mehr ab. Es formierte sich eine gemäßigte Reformarchitektur, eine sogenannte Gegenbewegung, welche später in die klassische Moderne mündete.

Die Industrialisierung und die schnelle Verstädterung führten zu einem starken Anstieg an Menschen und somit auch zu eine erhöhten Bedarf an Wohn- und Nutzgebäuden. Zu den bekanntesten Bauwerken der Gründerzeit zählen das Reichstagsgebäude in Berlin sowie eine Reihe von Gründerzeitbauten wie etwa Justizgebäude, der Berliner Dom und dergleichen. 

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