Renaissance Architektur
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Dirk von a better place
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Die Renaissance, die als Zeit der Wiedergeburt der Antike bekannt ist, ist eine Epoche, deren Architektur die Menschen bis heute fasziniert. In diesem Beitrag begeben wir uns auf eine Zeitreise durch die Geschichte der Renaissance und setzen dabei den Fokus auf den damals geprägten Architekturstil. Wir stellen historische Bauwerke und ihre Meister vor, sehen uns die Ausprägungen des Baustils in verschiedenen Ländern an und beleuchten die Bedeutung der Stilrichtung in der heutigen Architektur. Außerdem beschäftigen wir uns damit, welche Materialien, Techniken und Gestaltungselemente typisch für die Architektur der Renaissance sind.
Kurz & Kompakt
Im Folgenden setzen wir uns unter anderem mit diesen Themen auseinander:
Definition und Merkmale: Die Renaissance begann im 14. Jahrhundert in Italien (Florenz) und breitete sich später in vielen europäischen Ländern (z.B. Deutschland, Spanien und Frankreich) aus. Sie markiert die Übergangsphase von Mittelalter zu Neuzeit und greift Methoden, Gestaltungselemente und Erkenntnisse aus der Antike auf. Renaissance-Architekten strebten nach perfekter Symmetrie und Harmonie und nutzten die Mathematik zur Berechnung idealer Proportionen. Charakteristisch für Renaissancegebäude sind geometrische Formen, verschiedene Säulenarten, Kuppeln, Bögen und kunstvoll verzierte Fassaden.
Architekten und Bauwerke: Zu den bekanntesten Bauwerken aus der Renaissance gehören der Dom von Florenz von Filippo Brunelleschi, Michelangelos Kapitolsplatz, die von Leon Battista Alberti erdachte Basilika Santa Maria Novella und der Tempietto von Donato Bramante.
Materialien und Dekoration: Die Meister der Renaissance fertigten die Komponenten ihrer Gebäude vorwiegend aus Kalkstein und Marmor, Ziegel, Holz, Bronze, Eisen, Terrakotta, Stuck und Glas. Insbesondere die Fassaden wurden üppig verziert, zum Beispiel mit Kapitellen, Pilastern, Friesen und Ornamenten.
Einführung in die Renaissance Architektur
Um die Besonderheiten und Bedeutung der Renaissance Architektur wirklich verstehen zu können, muss man sich mit dem Zeitalter und dem geschichtlichen Kontext auseinandersetzen. Deshalb starten wir mit einigen grundlegenden Hintergrundinformationen zur Epoche der Renaissance und der damit verbundenen Baukunst:
Definition und Zeitrahmen
Zeitlich reiht sich die Renaissance zwischen Gotik und Barock ein. Ihren Ursprung fand die architektonische Stilrichtung im Mittel- und Norditalien des 14. Jahrhunderts. Von dort aus breitete sie sich nach und nach in Europa aus. In Deutschland begann die Zeit der Frührenaissance um das Jahr 1520 und erreichte bis 1600 ihren Höhepunkt.
Historischer Kontext
Der Renaissancestil entwickelte sich während des Übergangs des Mittelalters zur Neuzeit. Der damalige Wandel in Politik und Gesellschaft schaffte Raum für neue Ideale und Ideen, die sich in Kunst und Wissenschaft, aber eben auch in der Architektur niederschlugen.
Während die bislang übergroße Macht der Kirche und die absolute Fokussierung auf den Glauben allmählich etwas zurückgingen, widmete sich das Bürgertum vermehrt der sportlichen Betätigung, der wissenschaftlichen Bildung und dem künstlerischen Ausdruck.
Anders als im Mittelalter, arbeiteten führende italienische Architekten nun daran, Gebäude unter Einbezug mathematischer Prinzipien als eigenständige Kunstwerke zu entwerfen. Waren bedeutende Bauwerke vormals immer in sakrale Motive eingebunden, konnten sie sich nun davon distanzieren und etwas freier nach Ästhetik und Ausgewogenheit streben.
Als Vorbild diente die Antike, deren Architektur eingehend studiert und analysiert wurde. Aus dem neugewonnenen und mathematisch definierten Wissen über natürliche Proportionen und Perspektiven wurden quasi goldene Regeln abgeleitet. Diese wurden durch die Erkenntnisse aus der antiken Schrift „De architectura“ des Baumeisters Vitruv angereichert, weshalb das bedeutende Traktat als Fundament der Wiederbelebung römisch-antiker Architektur gilt.
Merkmale der Renaissance Architektur
Welche Eigenschaften sind typisch für die Architektur der Renaissance? Die kurze Antwort: ein symmetrischer Aufbau, geometrische Formen und pure Harmonie. Im Detail zeichnet sich die Baukunst der frühneuzeitlichen Epoche durch diese zentralen Merkmale aus:
Symmetrie und Proportionen
Eines der wichtigsten Schlagworte für Architekten der Renaissance lautet „Proportion“. Bei der Planung von Gebäuden spielte der sogenannte goldene Schnitt, der auch mit den Begriffen „goldene Proportionen“ oder „göttliche Teilung“ bezeichnet wird, eine entscheidende Rolle. Gemeint ist hiermit ein vom griechischen Buchstaben Phi symbolisiertes Verhältnis mehrerer Maße zueinander.
Etwas genauer: Wird eine Strecke so in zwei Abschnitte unterteilt, dass die Verhältnisse zwischen dem kürzeren und dem längeren Teil sowie vom längeren Teil zur Gesamtstrecke sich gleichen, ist der goldene Schnitt gelungen. Diese Vorgehensweise soll besonders harmonische Proportionen hervorbringen, die ein Gebäude optisch ausgewogen erscheinen lassen. Dabei wird sie von Beobachtungen aus der Natur gestützt, denn verblüffend viele Bestandteile unserer natürlichen Umwelt nähern sich standardmäßig den goldenen Proportionen an. Beispiele hierfür sind die Spiralen von Schneckenhäusern oder die Kerne der Sonnenblume.
Dazu passt auch das strikt verfolgte Prinzip der Symmetrie, das Bauwerke aus der Epoche der Renaissance innehaben. Grundrisse und Fassaden sind auffallend symmetrisch aufgebaut, und zwar oft bis ins letzte Detail. Auch dieses architektonische Stilmittel zielt auf einen formvollendet harmonischen Ausdruck ab.
Nutzung der klassischen Ordnungen
Sieht man sich Bauwerke aus der Renaissance an, fällt auf, dass viel mit Säulen gearbeitet wurde. In der Umsetzung basierte deren Gestaltung auf der klassischen Ordnung der Antike, welcher fünf Säulenarten angehören:
Toskanisch: robuste Konstruktion, glatte Oberfläche, schnörkellose Kapitelle (oberer Säulenabschluss)
Dorisch: einfacher Aufbau, schlichte Kapitelle, gerillter Säulenschaft
Ionisch: elegantes Erscheinungsbild, Kapitelle mit Voluten (spiralförmige Verzierungen) und Zierfriesen
Korinthisch: prunkvolle Optik, Kapitelle mit Akanthusblätter-Verzierungen und Voluten
Komposite: Säule mit Gestaltungselementen der ionischen und korinthischen Ordnung
Säulen dienten schon in der frühen Renaissance in Italien nicht ausschließlich als tragende Stützen, sondern vor allem als dekorative Gebäudeteile. Die fünf Säulenordnung der Antike war ein Stilmittel, das die Architekten nutzten, um Bauwerken einen bestimmten Ausdruck zu verleihen. Oftmals wurden verschiedene Säulenordnungen kombiniert und hierarchisch angeordnet. Unten wurde beispielsweise mit den schlichten toskanischen Ausführungen begonnen, im obersten Stockwerk waren dann schmuckvolle korinthische Säulen zu finden.
Geometrische Klarheit und Harmonie
Zu den herausstechenden Merkmalen, die der Baustil der Renaissance aufweist, zählen außerdem geometrische Formen mit präziser Linienführung. Vielecke, Zylinder, Rechtecke und Quadrate unterstützten das Schaffen eines symmetrischen Bildes und wurden im Sinne einer möglichst harmonischen Gebäudewirkung sorgfältig durchdacht platziert.
Wichtige Bauwerke der Renaissance
Die Baumeister der Renaissance haben eine Vielzahl von Gebäuden kreiert, die Touristen aus der ganzen Welt anziehen und das Herz moderner Architekten höherschlagen lassen. Einige der wichtigsten Renaissance-Bauten möchten wir nachfolgend vorstellen.
Filippo Brunelleschi und der Dom von Florenz
Als Hauptwerk des italienischen Ingenieurs, Architekten und Bildhauers Filippo Brunelleschi ist der Dom – Santa Maria del Fiore – in Florenz allem voran für seine ausladende achteckige Kuppel bekannt. Mit einem Durchmesser von über 45 Metern ist die Kuppel bis heute die weltweit größte Konstruktion dieser Art aus Mauerwerk.
Wer sich mit Statik auskennt, weiß: Eine solche Kuppel zu errichten, ist eine Meisterleistung. Filippo Brunelleschi gelang diese durch akribische Berechnungen und innovative Ideen. So integrierte er zum Beispiel steinerne und hölzerne Ketten zur Verteilung der Zugkräfte, und zwar so, dass diese dem Auge des Betrachters verborgen bleiben. Zudem baute er die Kuppel aus zwei separaten Schalen, die er mit fischgrätartig angeordneten Ziegeln verband.
Für die Entwicklung der Architektur in der Renaissance besitzt Santa Maria del Fiore in Florenz eine große Bedeutung, inspirierte Filippo Brunelleschis Innovationsgeist doch weit mehr als eine Generation kunstfertiger Architekten. Deren Interesse wurde – neben der grandiosen Konstruktion – auch von der Verschmelzung architektonischer Elemente aus Gotik und Renaissance befeuert. Schließlich begann der Bau von Santa Maria del Fiore bereits im 13. Jahrhundert, also vor Brunelleschis Zeit. Die Renaissance-Kuppel von Florenz thront entsprechend auf einem gotischen Gewölbe.
Leon Battista Alberti und die Fassade von Santa Maria Novella
Auf einer Reise nach Florenz lohnt sich nicht nur die Besichtigung der Santa Maria del Fiore, sondern auch ein Besuch der Basilika Santa Maria Novella. Auch bei diesem berühmten Gebäude sind sowohl gotische Einflüsse als auch für die Renaissance charakteristische Designelemente vorhanden. Den Blick fängt dabei vor allem die Fassade, deren Schönheit und Harmonie dem Auge aus jeder Perspektive schmeichelt.
Dieses Ergebnis erzielte der 1404 in Genua geborene Architekt und Mathematiker Leon Battista Alberti durch folgende bauliche und gestalterische Maßnahmen:
Rechteckige, quadratische und runde Formen in symmetrischer Anordnung, die sich auf der Fassade vielfach wiederfinden
Gleichmäßig abwechselnde Verarbeitung von weißem und grünem Marmor
Symmetrische Positionierung von Portal, Voluten und einer Sonnenuhr
Donato Bramante und der Tempietto
Der Maler und Baumeister Donato Bramante, der oft als einer der Begründer der Renaissance Architektur in Italien bezeichnet wird, widmete große Teile seines Lebens dem architektonischen Streben nach Harmonie. Sein bekanntestes Bauwerk ist ein vergleichsweise kleiner Tempel in Rom, der genau dort steht, wo der Apostel Petrus seinen letzten Atemzug getan haben soll.
Eines der zentralen Merkmale des Tempietto di Bramante ist sein runder Grundriss, der von einer kreisförmigen Säulenhalle mit 16 Säulen der toskanischen Ordnung eingerahmt wird. Oben schließt dar perfekt symmetrische Tempelbau mit einer formschönen Kuppel ab. Apropos Kuppeln: Der Petersdom, dessen Bau wenige Jahre vor Bramantes Tod begann, trägt eine Kuppel, welche nach dem Vorbild der Entwürfe des begnadeten Architekten aus Italien gebaut wurde.
Michelangelo und die Kapitolsplatz
Als großer Mann der Künste ist Michelangelo selbst Menschen, die sich wenig mit Kunst und Kultur beschäftigen, ein Begriff. Ist die Rede von der Architektur der Renaissance in Italien, fällt sein Name früher oder später. Besonders oft geschieht das in Verbindung mit dem Kapitolsplatz. Der im 16. Jahrhundert erdachte Piazza del Campidoglio in Rom ist ein berühmtes Beispiel für die Anwendung der architektonischen Prinzipien aus Antike und Renaissance in Bereichen, die über den Bau einzelner Gebäude hinausgehen.
Der große Platz beherbergt diese Elemente:
Drei palastartige Gebäude (Palazzo Senatorio, Palazzo dei Conservatori und Palazzo Nuovo)
Cordonata Freitreppe
Reiterstandbild von Mark Aurel aus der Antike
Göttin Roma Brunnen
Die drei Palazzi, die heute als Rathaus und Museen dienen, sind in der Form eines Trapezes platziert, wodurch Michelangelo eine weitläufigere Optik des Platzes erzielte. Unterstützt wird diese Wirkung zusätzlich von der aufwändigen Pflasterung des Kapitolsplatzes. Diese bildet einen Stern mit zwölf Zacken ab, welcher sich wiederum in einer ovalen Fassung befindet. Die Statue des römischen Kaisers und Philosophen Mark Aurel ist prominent in der Mitte des Sternes aufgestellt und unterstreicht symbolisch das starke Band, das die Architektur aus Renaissance und Antike verbindet.
Renaissance Architekturstil in verschiedenen Ländern
Auch wenn wir bislang ausschließlich über Renaissancegebäude in Italien gesprochen haben, spielte die Architektur der Renaissance natürlich auch in anderen Ländern in Europa eine Rolle. Deshalb befassen wir uns nun damit, welche architektonischen Entwicklungen die Epoche in verschiedenen europäischen Ländern geprägt haben.
Deutschland
Wie eingangs bereits geschildert, begann das Zeitalter der Renaissance in Deutschland etwas später als in Italien, genauer gesagt etwa hundert Jahre später und somit im frühen 16. Jahrhundert. Zu dieser Zeit startete in Augsburg der Bau einer großen Anlage, die heute gerne als Beispiel für die Renaissance-Architektur in Deutschland herangezogen wird. Gemeint sind die Fuggerhäuser, die von Maximilian Fugger, einem einflussreichen Kaufmann und Bankier, erbaut wurden.
Eine Besonderheit der Anlage mit den schmucken Innenhöfen und der von geometrischen Formen gezierten Fassade ist, dass es sich dabei um einen Profanbau handelt. Sprich: Das Bauwerk diente keinem sakralen Zweck, sondern fungierte als Geschäftssitz für das Fugger-Imperium.
Hier wird die Architektur der Renaissance zum Symbol für eine gesellschaftliche und politische Entwicklung, die ein Hinterfragen der kirchlichen Dominanz erlaubte und Deutschland hin zur Reformation leitete. Passenderweise trafen Martin Luther und Kardinal Cajetan 1518 ausgerechnet in den Fuggerhäusern aufeinander, um über Luthers 95 Thesen zu debattieren.
Italien
Wie man es auch dreht und wendet: An Italien führt bei einer Besprechung der Architektur der Renaissance einfach kein Weg vorbei. Schließlich fand die Epoche hier ihren Anfang, und zwar in der Stadt Florenz. Daher wird Florenz auch als Wiege der Renaissance bezeichnet. Doch warum wurde die Renaissance gerade in Florenz vorangetrieben? Dazu haben diese Umstände beigetragen:
Schon das „Vorbild“ der Renaissance – die Antike – wurde in Florenz lebhaft in Kunst und Kultur ausgedrückt
Florenz war Heimat vieler Gelehrter, Wissenschaftler und Künstler
Als wohlhabendes Handelszentrum bot Florenz die notwendige finanzielle Grundlage für künstlerische und kulturelle Entwicklung
Florenz war der Wohnort der Familie Medici, die Kunst und Kultur großzügig förderte
Es ist also kein Zufall, dass die Wiedergeburt der Antike in Florenz ihren Anfang fand – die Gegebenheiten in der italienischen Metropole waren ganz einfach ideal.
Neben Florenz waren vor allem Rom und Venedig Hochburgen der Renaissance in Italien. Interessant ist, dass sich die Architektur der Renaissance in den beiden Stadtrepubliken auf unterschiedliche Weise herausbildete. Als „Papststadt“ stand Rom wesentlich stärker unter kirchlichem Einfluss, zumal die Kirche die Künste finanziell förderte. In der Folge entstanden in Rom vorrangig Renaissance-Bauten mit sakralem Hintergrund. Anders in Venedig: Dort entfaltete sich die Renaissance-Architektur deutlich unabhängiger, sodass mehr Profangebäude in extravaganter Farbgestaltung errichtet werden konnten.
Frankreich
In Frankreich lässt sich eine besonders charmante Seite der Renaissance-Architektur bewundern. Die zahlreichen Renaissance-Schlösser, die dort vorzufinden sind, locken Jahr für Jahr Touristen an und können nicht verstecken, dass ihre Baumeister von der früher begonnenen italienischen Renaissance beeinflusst wurden.
Eines der architektonisch beeindruckendsten französischen Bauwerke der Epoche ist das Schloss Chambord, das als Residenz des Königs errichtet wurde und dessen Herrschaftlichkeit jedes Maß sprengt. Wo man auch hinsieht, ist das symmetrisch aufgebaute Prunkschloss mit Säulen, Giebeln und Türmen geschmückt, die dem Bau eine königliche, erhabene Ausstrahlung bescheren.
Das Schloss Chambord ist eines der Loire-Schlösser, die in ihrer Gesamtheit eine interessante Mischung aus typischen baulichen Merkmalen aus Mittelalter, Renaissance und Neuzeit aufweisen. Weitere Beispiele für die prächtigen französischen Bauwerke sind das Wasserschloss Chenonceau und das Königsschloss Amboise.
England
Während andere europäische Länder in Sachen Renaissance-Architektur viele Ideen direkt vom Vorreiter Italien übernommen haben, wurde die architektonische Entwicklung in England mehr vom französischen Vorbild angeleitet. Dabei bedienten sich die englischen Meister der Baukunst durchaus den klassischen Prinzipien, wie der Säulenordnung und der Symmetrie als priorisiertes Baumerkmal. Allerdings integrierten sie diese Ansätze vergleichsweise zurückhaltend in den etablierten elisabethanischen Baustil.
Zu den wichtigsten englischen Bauwerken der Renaissance gehören luxuriöse Villen und Herrenhäuser, die „Prodigy Houses“. Hardwick Hall, Longleat House und ähnliche Gebäudeanlagen waren von adligen und wohlhabenden Familien in Auftrag gegeben worden und dienten vorrangig dem Zweck, die Macht und den Reichtum dieser Familien repräsentativ zur Schau zu stellen. Klassischerweise waren sie mit etlichen Rundbögen, kunstvoll gestalteten Dächern, vielen großen Fenstern und opulenten Säulen ausgestattet.
Spanien
In Spanien war die Architektur der Renaissance gespickt von typisch römischen sowie traditionsreichen spanischen und einigen islamischen Noten. Die spanischen Baumeister bedienten sich mit Vorliebe üppigen Ornamenten und detailreichen Fassaden-Reliefs, integrierten hochwertige Skulpturen und krönten ihre Bauwerke mit flachen, rot eingedeckten Dächern. Gerade die Dachgestaltung weist auf den Einfluss der islamischen Mudéjar-Kunst hin.
Möchte man sich in Spanien Zeugnisse der Architektur der Renaissance ansehen, ist unter anderem die Klosteranlage El Escorial eine gute Anlaufstelle. Das bei Madrid gelegene Bauwerk ist als UNESCO-Weltkulturerbe eingetragen und wurde als Ordenshaus, in Teilen aber auch als Palast, Bibliothek und Mausoleum, genutzt.
Techniken und Materialien der Renaissance Architektur
Woraus wurden Bauwerke in der Renaissance gefertigt und welche Techniken ermöglichten den Architekten das Errichten der symmetrischen Bauten? Auf diese Fragen finden wir nachfolgend eine Antwort.
Bauweisen und Konstruktionsmethoden
Die tragenden Wände von Palästen, Villen und anderen Bauwerken wurden in der Renaissance – egal ob nun in Italien, Deutschland oder Frankreich – bevorzugt aus Ziegel und Stein gefertigt. Diese Materialien wurden großflächig mit Stuck verputzt, sodass ebenmäßige Oberflächen entstanden, die nach Belieben weiter verziert und veredelt werden konnten.
Eine ähnlich große Rolle spielte in der Architektur der Renaissance der Baustoff Holz. Allerdings griffen die Architekten auf diesen eher zur Herstellung geschnitzter Dekorationen sowie für den Aufbau der Dachkonstruktion zurück. Zu tragenden Elementen wurde Holz allenfalls bei vergleichsweise unbedeutenden Profangebäuden verarbeitet.
Neben Holz, Kalkstein, Ziegel und Stuck kamen klassischerweise diese Materialien zum Einsatz:
Marmor
Terrakotta
Bronze
Eisen
Glas
Technologische Innovationen
Viele der prestigeträchtigen Renaissance-Bauten hatten eine Eigenschaft gemeinsam: Sie waren groß und hatten hohe Türme und Kuppeln. Ihre Umsetzung machte daher Weiterentwicklungen auf dem Gebiet des Gerüstbaus erforderlich. Die Gerüste aus Holz wurden mittels Seilen und Querverbindungen aus Kanthölzern stabilisiert und fortlaufend an den Baufortschritt angepasst.
Innovative Fortschritte gab es zudem in den Bereichen Bauplanung und Vermessung. Diese waren nicht weniger notwendig als die Gerüste. Denn der Bau eines Gebäudes mit perfekten Proportionen und einer makellosen Symmetrie erfordert extreme Präzision bei Vermessungsarbeiten und fußt auf einer akribischen Planung bis ins letzte Detail.
Dekorative Elemente der Renaissance Architektur
Man muss kein Architekt sein, um zu erkennen, dass die Baukunst der Renaissance von dekorativen Elementen lebt. Werfen wir einen genaueren Blick darauf, mit welchen Zierden den Objekten der letzte Schliff verliehen wurde:
Fassadengestaltung
Der Fassade wurde in der Renaissance große Aufmerksamkeit gewidmet. Logisch, immerhin ist sie der Teil eines Gebäudes, der dessen Außenwirkung bestimmt und folglich hervorragend zur Demonstration von Macht, Prestige und Status genutzt werden kann. Um eben diesen Ausdruck zu kreieren, setzten die Meister der Baukunst die folgenden Techniken und Designelemente ein:
Pilaster: In Wände eingelassene, rechteckige, säulenartige Vorsprünge, z.B. zur eleganten Eingliederung von Türen und Fenstern in die Fassade
Kapitelle: Oberer Abschluss einer Säule, oft detailreich verziert und teils ohne tragende Funktion als Dekorationsobjekt an Fassaden genutzt
Friese: Horizontal verlaufendes Zierband mit Reliefs oder Strukturierungen aus Holz oder Stuck
Interieur und Dekoration
Natürlich machten Renaissancebauten nicht nur von außen, sondern auch im Inneren so einiges her. Die Innenräume ließen üblicherweise ebenfalls Einflüsse antiker Architektur erkennen und wurden mit Ziersäulen, Rundbögen und Gesimsen ausgestattet. Wände und Decken wurden gerne mit Fresken, Stuck und Ornamenten veredelt, Möbel aus Stein und Holz verfügten über feinste Details.
Dabei wurde das Mobiliar in aller Regel sehr durchdacht platziert. Kein Möbelstück wurde zufällig abgestellt oder beiläufig ausgewählt. Jeder einzelne Gegenstand wurde in das gestalterische Gesamtkonzept eingebettet, damit er Harmonie, Ausgewogenheit und Symmetrie in den Innenräumen nicht störte, sondern unterstrich.
Gärten und Außenanlagen
Genau wie Fassaden haben auch Außenanlagen das Potenzial, eine repräsentative Funktion zu erfüllen. Es liegt also auf der Hand, dass die Landschaftsarchitektur ein wichtiger Teil der Architektur der Renaissance war. Renaissancegärten wiesen oft diese Merkmale auf:
Geometrische Anlage mit geradlinigen Formgebungen (z.B. Wege, Beete, Parterres etc.)
Symmetrische Gestaltung
Skulpturen, teils lediglich ästhetisch, teils mit politischer Symbolik
Kaskaden und Brunnen
Umrankte Bögen
Alleen
Funktionen und Symbolik der Renaissance Architektur
Die Bauwerke, die die Architektur der Renaissance hervorgebracht hat, lassen sich in zwei Kategorien unterteilen:
Sakrale Gebäude
Bei einem großen Teil der berühmten und bis heute gut erhaltenen Renaissancegebäude handelt es sich um sakrale Bauwerke, also zum Beispiel um Kirchen, Kathedralen, Tempelanlagen und Klöster. Insbesondere in Italien wurden die Meister der Architektur vielfach von der Kirche beauftragt, um opulente sakrale Bauten zu entwerfen. Die symmetrische Ästhetik der Gebäude wurde dabei als Symbol für die göttliche Ordnung angesehen. Zugleich sollte ihre herrschaftliche Ausdruckskraft Ehrfurcht in den Kirchgängern wecken und dadurch ihre Treue zu Gott festigen.
Profane Gebäude
Die Architektur der Renaissance beschränkte sich keinesfalls auf Sakralbauten, sondern erstreckte sich auch auf den Bau profaner Gebäude, wie etwa Paläste, öffentliche Gebäude und Stadtvillen. Während sich Fresken, Ornamente und Schnitzereien in den Kirchengebäuden selbstverständlich auf religiöse Inhalte bezogen, wurden in die Verzierungen profaner Bauwerke gerne Symbole aus der griechischen und römischen Mythologie eingebaut.
Renaissance Architektur im Vergleich zu anderen Stilen
Die Renaissance folgte auf die Gotik und leitete zum Barockstil über. Dementsprechend ergibt es zur Abgrenzung Sinn, die Architektur der Renaissance mit diesen beiden Architekturepochen zu vergleichen. Die folgende Tabelle zeigt die Unterschiede zwischen Gotik, Renaissance und Barock auf:
| Gotik | Renaissance | Barock | |
| Philosophieund Motivation |
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| Zielsetzung und Ausdruck |
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| Stilmittel |
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Die Wiederentdeckung der Renaissance im 19. Jahrhundert
Im 19. Jahrhundert erlebte die Renaissance eine zweite Blütezeit, die sogenannte Neorenaissance. Architekten griffen Stilelemente der Renaissance beim Bau profaner öffentlicher Gebäude, wie Universitäten, Rathäusern, Bibliotheken, Museen, Bahnhöfen und Banken, auf, wobei vorrangig italienische und deutsche Renaissance-Werke als Vorbilder dienten.
Mit dem Ende des 19. Jahrhunderts klang dann auch das neu erweckte Interesse an der Architektur der Renaissance wieder ab. Die Phase der Neorenaissance wurde schließlich vom Jugendstil abgelöst.
Renaissance Architektur in der zeitgenössischen Architektur
Welche Rolle spielt die Architektur der Renaissance für unsere heutige zeitgenössische Architektur? Kurz gesagt: Sie ist eine große Inspiration und ein Lehrstück in Bezug auf Perspektive und Proportionen, von dem Architektur bis heute profitiert.
Moderne Interpretationen
Viele der Grundprinzipien und Ansätze aus der Renaissance werden von modernen Architekten unserer Zeit tagtäglich angewandt. Auch in der Neuzeit war und ist es für das Gelingen eines Entwurfs unerlässlich, gekonnt mit Perspektiven zu „spielen“ und die Wirkung unterschiedlicher proportionaler Verhältnisse zu berücksichtigen. Ohne einige der Beobachtungen und Erkenntnisse, die Renaissance-Architekten aus der Analyse antiker Bauwerke gewonnen haben, würde unsere Architektur heute vermutlich anders aussehen.
In der gestalterischen Umsetzung werden für die Renaissance typische Stilmittel bei aktuellen Bauwerken mit Vorliebe neu interpretiert und in einen modernen Kontext eingegliedert. Wenn verzierte Giebel, eine Kuppel, Prunksäulen oder Friese auf zeitgenössische Bauwerke treffen, entstehen interessante stilistische Verbindungen aus Tradition und Innovation.
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Erhaltung und Restaurierung von Renaissance-Bauwerken
Die Renaissance-Architektur ist für uns heute auch insofern noch von Bedeutung, als dass wir uns im Zuge der Restaurierung und Instandhaltung der geschichtsträchtigen Gebäude mit ihr auseinandersetzen müssen. Denn um alte Renaissance-Bauwerke als Teil des kulturellen Erbes zu erhalten und stilecht zu restaurieren, muss man die damals angewandten Techniken beherrschen, Wissen zu den verbauten Materialien besitzen und sich ein gewisses Gespür für das, was den Baustil ausmacht, aneignen.
Fazit
Ob prächtige Kirchen mit ausladender Kuppel, stuckverzierte Paläste oder edle Herrenhäuser: Die Architektur der Renaissance kann anhand ganz verschiedener Gebäudearten bewundert werden, denen ihre Symmetrie und ihr harmonisches Erscheinungsbild gemein sind. Was im Italien des 14. Jahrhunderts quasi als Hommage an die Antike begann, entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Baustile, der die Architektur bis heute beeinflusst und bereichert.
FAQ zur Renaissance Architektur
Die Renaissance fand ihren Anfang im 14. Jahrhundert in Italien. Als Hochburgen der Renaissance-Architektur gelten Florenz, Rom und Venedig.
Die fünf Säulenordnung ist ein aus der Antike stammendes Prinzip zur Anordnung von Säulen, das auch während der Renaissance angewandt wurde. Es basiert auf fünf Säulenarten:
toskanisch
dorisch
ionisch
korinthisch
komposite
Zu den typischen Merkmalen der Renaissance-Architektur gehören symmetrische Entwürfe, geometrische Formgebungen, harmonische Proportionen, Prunksäulen und Pilaster, Bögen, Ornamente, religiöse und mythologische Statuen, Giebel, Stuck und Friese.
Im Zeitalter der Renaissance interessierte sich die Bevölkerung vermehrt für die philosophischen, ideellen, kulturellen und künstlerischen Ansätze aus der Antike. Diese wurden quasi wiederentdeckt und waren unter anderem Inspiration für Architekten, Bildhauer und Baumeister.
Zu den bekanntesten und einflussreichsten Architekten der Renaissance zählten Filippo Brunelleschi, Donato Bramante, Leon Battista Alberti, Andrea Palladio und Michelangelo. In Deutschland widmeten sich mitunter Hans Hieber, Peter Flötner und Arnold von Westfalen der Renaissance-Baukunst.
Der Humanismus, der im Kern das Streben nach Menschlichkeit beschreibt und auf antike Ideale zurückgeht, ist eine Geisteshaltung, die sich zu Zeiten der Renaissance in der Gesellschaft verbreitete. Er übte großen Einfluss auf die Architektur aus und findet sich in den Prinzipien der Renaissance-Architektur unter anderem in diesen Punkten wieder:
Verwendung klassischer Bauelemente aus der Antike (z.B. Bögen, Gesimse und Kuppeln)
Mathematische Berechnungen für ideale Proportionen
Fokus auf Harmonie und Symmetrie
Mensch, menschliche Fähigkeiten und Natur im Mittelpunkt
Der Manierismus war eine Bewegung, die sich im Übergang von der Renaissance zum Barock herausbildete. Er spielt sozusagen mit den Charakteristika der etablierten Baukunst, indem er zum Beispiel mit einer Übertreibung oder Verschiebung von Proportionen, einer verzerrenden Dynamik in der Formgebung und der Kombination scheinbar nicht zusammenpassender Komponenten arbeitet. Dahinter steckt unter anderem die Idee, Künstlern und Architekten mehr Freiheit in ihrer Arbeit zuzugestehen, damit sie ihren eigenen Stil zum Ausdruck bringen können.
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